Helga Kaiser, Director CSR / Corporate Citizenship WILO SE

„Wenn Frauen aktiv sind und starken Menschen zeigen, dass sie auch stark sind, dann brauchen sie um nichts zu bitten.” So beschreibt Helga Kaiser die Dynamik weiblicher Karrieren. Ist es heute also einfacher geworden, als Frau in eine Führungsposition zu kommen und sich dort zu beweisen? „Vielleicht“, sagt Helga Kaiser. „Aber es ist insgesamt verkrampfter als früher. Die Frauen stehen mehr unter Druck. Sie fühlen sich stärker und erwarten, dass sie mehr erreichen können. Und dann stellen sie fest, dass die Unternehmen oft noch nicht so weit sind.“

Als Mentorin versucht Helga Kaiser immer die Ziele der Mentees und die Dynamik der jeweiligen Unternehmen gut zu verstehen. Dann kann sie bei der Positionierung unterstützen. „Jedes Mentoring ist anders“, sagt sie, die bei KIM bereits zum dritten Mal im Einsatz war, „das macht diese Aufgabe so spannend.“ Ob es dann stärker um Netzwerke, um Vereinbarkeit oder den Aufstieg in eine Führungsposition geht, sei abhängig von der jeweiligen Lebens- und Arbeitssituation der Mentee. „Damit diese Beziehung funktioniert, müssen sich beide aufeinander einlassen und die Mentee muss neugierig und auch mutig sein.“

Die Erfahrungen, die Helga Kaiser ins Mentoring einbringen kann, basieren auf fast 40 Jahren Berufstätigkeit. Ihre Karriere hat sie im Maschinenbau-Unternehmen WILO gemacht, von der Exportsachbearbeiterin ist sie hier bis zum Director CSR unterhalb der Vorstandsebene aufgestiegen. Dabei hatte sie ursprünglich ein ganz anderes Karriereziel. „Ich wollte mich selbstständig machen, um mein eigener Chef zu sein.“ Der Job bei WILO war zunächst nur als Mittel zum Zweck gedacht. Helga Kaiser wollte Geld für die Gründung ansparen. Als sie nach einem Jahr in den Export Außendienst wechselte, „da hat mich das so gereizt und war so interessant, dass ich geblieben bin“.

Alle drei bis vier Jahre wechselte sie die Position und erwarb sich den Ruf der „Frau für die unmöglichen Fälle“. Sie arbeitete in der Organisationsentwicklung, Post Merger, leitete das Order Management in der französischen Tochtergesellschaft und optimierte und harmonisierte die Export-Prozesse. Der pragmatischen Haltung ihres Berufseinstiegs kann sie im Rückblick viel abgewinnen: „Dadurch hatte ich eine große innere Freiheit“, sagt sie. „Dann hält man viel aus – und man hält nicht den Mund.“ Diese Unerschrockenheit wünscht sie Frauen, die Karriere machen wollen, Selbstbewusstsein und Durchhaltevermögen.

  • Text: Redaktionsbüro Andrea Blome, Münster

Das Interview mit Helga Kaiser wurde im Januar 2016 geführt. Sie arbeitet aktuell als Business Coach & Consultant.