Was ist 100-prozentig mein Weg?

Friederike Köster ist Leiterin der Abteilung Kooperations- und Projektmanagement im Verlag Lensing-Wolff in Dortmund. Die Diplom-Kauffrau kam im Februar 2010 ins KIM-Projekt. Ihr Mentoring-Thema: Die Positionierung als Führungskraft im Verlag. Schließlich war sie vier Jahre lang Assistentin der Vertriebsleitung, noch dazu in derselben Abteilung und auf (fast) demselben Stuhl.

Frau Köster, wann haben Sie auf Ihrem beruflichen Weg zum ersten Mal bewusst Aufstiegsziele formuliert?
Schon vor dem Mentoring habe ich mich am Jahresende hingesetzt, zurückgeschaut und Ziele formuliert. Für mich war es immer schon wichtig zu gucken: Wo will ich hin?

Wo wollten Sie am Ende Ihres Studiums hin?
Ich habe Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt Hotel- und Tourismus-Management studiert und  habe dann nach einem Chef gesucht , der Wissen weitergeben und  Menschenentwickeln will. Das war mir wichtiger als die Branchenorientierung. Ich habe mich zunächst einfach auf interessante Stellen beworben. Für die Stelle im Verlag bin ich allerdings angesprochen worden. Das Unternehmen hatte schon früher über die direkte Anfrage an die Uni Nachwuchskräfte  gefunden. Ich wusste, dass diese in ihren Positionen auch aufgestiegen sind.

Mit welchem Ziel haben Sie die Stelle dann angetreten?
Ich will dahin kommen, dass ich Führungsverantwortung, Personalverantwortung und Entscheidungsmöglichkeiten habe. Meine Funktion war zunächst die Assistenz.

Wurden Sie ungeduldig, als es von dort nicht schnell weiterging?
Ja, ein bisschen schon. Die Projekte wurden größer, die Verantwortung auch. Aber wichtig war mir dann auch der Positionswechsel. Da es aber mehrere Chefwechsel gab, war eine Weiterentwicklung nicht so schnell möglich, wie es sonst üblich ist.

Wie haben Sie versucht, den Prozess zu beschleunigen?
Ich habe immer mal wieder Gespräche eingefordert, Feedback erbeten und deutlicher signalisiert, dass ich weiterkommen möchte, dass ich Ambitionen haben.

Wenn man selbst unter Druck ist, kommt das schnell zu druckvoll rüber.
Ja, das ist ein Problem. Heute würde ich in solche Gespräche geplanter, strukturierter und vorsichtiger reingehen. Aber leider ist es ja oft so, dass in eine Sache erst wirklich Zug kommt, wenn man auch die Alternative zu gehen in Betracht zieht. Es gibt ja nicht laufend freie Stellen im eigenen Unternehmen, auf die man sich bewerben könnte.

Ihre jetzige Position haben Sie quasi selbst entwickelt.
Ja, den Bereich der Firmenkundenakquise haben wir vorher nicht systematisch betreut. Das ist eine schöne Aufgabe, die viel gestalterische Freiheit bietet.

Hat sich Ihre Art. Bilanz zu ziehen, durch das Mentoring verändert?
Ja, ich gucke auf eine andere Art hin. Das Spannende am Mentoring ist ja: Da sitzt mir jemand gegenüber, der auch kritische Fragen stellt. Nur mit sich ist man ja doch …

… eher sehr freundlich?
Genau. Es gibt viele Punkte, wo die Mentorin einfach noch mal nachhakt. Sie hat mich stark darin unterstützt, stärker auf mich und meine Stärken konzentriert zu sein. Ich hatte in manchen Bereichen eine starke Fremdorientierung: Was erwartet der Chef von mir? Wie muss ich mich verhalten, damit Vorgesetzte meine Arbeit toll finden? Welche gesellschaftlichen Normen muss ich erfüllen? Jetzt frage ich: Was ist 100-prozentig mein Weg?

Was ist Ihr Weg?
Ich weiß jetzt, dass ich keine Spezialistin bin. Ich begeistere mich für den Aufbau von Neuem, bis zu dem Punkt, an dem die Routine einsetzt. Dann brauche ich eine neue Herausforderung. Strategieentwicklung  ist ein Bereich, in dem ich mir meine berufliche Zukunft sehr gut vorstellen kann.

Wie gelingt der Wechsel von der Assistentin zur Abteilungsleiterin?
Der ist gar nicht so einfach, zumal ich durch Bauarbeiten im Verlag nach wie vor an demselben Schreibtisch gegenüber der Sekretärin im Vorzimmer des Chefs sitze. Natürlich war eine Hausmitteilung wichtig, eine veränderte Mail-Signatur, diese Äußerlichkeiten. Im Mentoring wurde mir klarer, wie ich selbst  meine Rolle verändern kann, indem ich noch initiativer und unabhängiger Ideen entwickle. Ich gestalte die Abteilung, die ich aufbaue, proaktiv und warte nicht, dass mein Chef mir die Impulse gibt.