Nicht vorbeigehen, wenn sich Türen öffnen

Elke Damian ist seit zehn Jahren bei der Bergischen Diakonie Aprath beschäftigt, zunächst sieben Jahre als Vorstandsassistentin, dann drei Jahre als Gruppenleiterin Personalwesen. Ab dem 1. Juli 2011 wird die Soziologin Abteilungsleiterin für Personalentwicklung. Ihr Thema im Mentoring: Wie kann ich mich fachlich breiter aufstellen und in der Hierarchie aufsteigen?

Frau Damian, Sie arbeiten in einem Sozialunternehmen, das sich in der Altenhilfe, der Kinder- und Jugendhilfe, für psychisch kranke Menschen  und für Bildung engagiert. Wie wirkt sich das Soziale auf die Personalarbeit aus?
Wir haben einen hohen Anspruch an den Umgang miteinander und ich glaube, dass das durchaus anders ist als in der freien Wirtschaft.  Viele pädagogische und therapeutische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter prägen die Kommunikationskultur, wir bemühen uns Entscheidungen transparent zu machen. Dass wir den Klienten in einer christlichen Art und Weise und auf Augenhöhe begegnen, ist sicher auch ein Anspruch, den wir intern einlösen wollen.

Sie sind bei der Bergischen Diakonie Gruppenleiterin Personalwesen. Warum sind Sie ins Mentoring gegangen?
Ich wollte mich fachlich breiter aufstellen und in der Hierarchie aufsteigen. Aber ich sah den Weg nach vorn nicht, wusste nicht, was ich eigentlich machen muss, um weiterzukommen.  Ich dachte, ich müsse mich außerhalb des Unternehmens orientieren, um Karriere zu machen.

Ab dem 1. Juli werden Sie jetzt Abteilungsleiterin sein. Sie haben Ihr Ziel erreicht, aufzusteigen. Ein Ergebnis des Mentorings?
Ja, das glaube ich schon. Meine Mentorin hat mich auf Türen aufmerksam gemacht, die sich geöffnet haben.

Wie hat sie das gemacht?
Wir haben zunächst mit einer Standortbestimmung angefangen, haben eine Stärken- Analyse gemacht, meine Interessen und mögliche Arbeitsfelder für mich definiert. Für mich war klar, dass ich gerne strategische und konzeptionelle Aufgaben übernehme, dass ich aber auch wissenschaftlich arbeiten und weiter beraten möchte. Über allem stand dann als Ziel die Personalentwicklung. Meine Mentorin leitet selbst als Geisteswissenschaftlerin die Personalentwicklung in einem Großunternehmen. Sie konnte mich davon überzeugen, dass es nicht darum geht, noch breiter aufgestellt zu sein und eine größere Führungsspanne zu erhalten, sondern dass auch eine Spezialisierung ein guter Weg ist.

Was haben Sie mit diesem Ergebnis gemacht?
Ich habe daraufhin jede Gelegenheit genutzt, um mich im Unternehmen mit dem Thema Personalentwicklung ins Gespräch zu bringen. Zum Beispiel fragte mich mein Chef nach dem Fortbildungsbedarf für meine Mitarbeiterinnen.  Über diese Frage habe ich ihm signalisiert, wie ich mir Personalentwicklung für meine Mitarbeiter, aber auch im Gesamtunternehmen vorstellen könnte. Ich hatte mit meiner Mentorin gemeinsam eine Konzeptidee entwickelt, die konnte ich hier präsentieren.

Sie haben also nicht signalisiert, dass Sie eine höhere Position wollen, sondern sich inhaltlich profiliert.
Ja, zunächst schon. Aber als geplant wurde, für die Personalentwicklung einen externen Projektleiter einzustellen, da habe ich sehr deutlich geäußert, dass ich diese Position für mich sehe.

Welche Rolle spielte Ihre Mentorin dabei?
Diesen Schritt habe ich allein getan, aber ohne sie wäre ich mir nicht so sicher gewesen, dass ich diese Funktion haben möchte. Ich wäre nicht auf die Idee gekommen, auf die banale Frage nach dem Fortbildungsbedarf einzelner Mitarbeiter mit einem eigenen Konzept für das Unternehmen zu antworten. Das war eine sich öffnende Tür, an der wäre ich schnurstracks vorbeigegangen.

Wohin wären Sie denn gegangen?
Ich dachte, ich muss warten, dass im Unternehmen eine Stelle frei wird, auf die ich mich bewerben kann. Dass man sich ein neues Aufgabengebiet gezielt heranziehen kann, das war mir nicht so klar.

Wie werden Sie in Zukunft arbeiten?
Ich werde zwar weniger Personalverantwortung haben, dafür aber mehr bereichsübergreifend, strategisch arbeiten. Der Schwerpunkt liegt in der konzeptionellen Arbeit. Ich habe die Aufgabe, Menschen zusammenzubringen, Projektgruppen zu begleiten und die Entwicklung der Führungskräfte voranzutreiben. Es geht darum, Strukturen zu entwickeln, in denen Mitarbeiter sich entwickeln und Verantwortung übernehmen können.

Da geht es dann wieder um die andere Form der Kommunikation in Ihrem Unternehmen?
Ja, und das kann ich in meiner neuen Funktion sehr viel besser unterstützen und mitgestalten. Darauf freue ich mich sehr. Dass ich die wissenschaftliche Arbeit mit der Abteilungsleitung verbinden kann, ist ein absoluter Glücksfall.