„Man muss nicht angeben, um weiterzukommen“

Julia Remmert ist Diplom-Informatikerin und arbeitet als Ingenieurin Test und Qualität bei der Wincor Nixdorf International GmbH. Sie ist dort zuständig für die Qualitätssicherung der Software. Ihr Thema im Mentoring: Welche (beruflichen) Ziele leiten meine Karriere?

Frau Remmert, was war Ihr Ziel, als Sie ins Mentoring kamen?
Julia Remmert: Mein großes Ziel war, mit der Karriere weiterzukommen. Ich war nicht unglücklich in meiner Position und mit meiner Arbeit, wusste aber auch nicht, was der nächste Schritt sein könnte.

Der Karrierebegriff ist vielfältig. Was bedeutete Karriere für Sie?
Ich dachte, ich muss weiterkommen, egal wie. Und ich war auch irgendwie neidisch auf die, die scheinbar schneller vorankamen. Im Mentoring habe ich herausgefunden, dass Aufstieg nicht das einzige Karriereziel sein kann. Ich habe herausgefunden, was mir wichtig ist, was meine Ziele sind und dass ich beruflich weiterkommen will. Ich mag das Technische an meinem Beruf und suche Aufgaben, die herausfordernd und spannend sind. Das ist mir am wichtigsten. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, eine Führungsposition zu übernehmen.

Wie sind Sie Ihren Karrierezielen im Mentoring näher gekommen?
Meine Mentorin kannte meine Ziele, die ich auf dem Fragebogen und in meinem Lebenslauf in der Bewerbung für das Mentoring formuliert hatte. Wir haben dann ganz konkret daran gearbeitet, was meine Stärken und Schwächen sind, was mir wichtig ist, wo ich hin will.

Darüber nachzudenken und zu sprechen, dafür ist im Alltag in der Regel wenig Raum.
Ja das stimmt. Und das sind tatsächlich die schwierigsten Fragen. Es war hilfreich, dass wir im Mentoring alle vier Wochen einen Termin hatten. Aus dem Gespräch mit anderen Mentees weiß ich, dass ich nicht die einzige war, die diese Aufgaben manchmal bis zum letzten Tag vor sich hergeschoben hat …

Ihre Mentorin ist keine Informatikerin und sie kennt Ihren Arbeitgeber nicht. Wie konnte sie helfen?
Ich brauchte keine fachliche Hilfe, insofern war es gar nicht entscheidend, dass sie meinen Arbeitsbereich nicht kennt. Wir haben zum Beispiel Mitarbeitergespräche vorbereitet und geklärt: Wie sage ich, was ich will?

Hat sich Ihre berufliche Position im Verlauf des Mentoring verändert?
Meine Position nicht. Aber mein Aufgabenbereich hat sich erweitert.

Wie haben Sie das gemacht?
Ich habe gefragt. Und ich hatte zuvor mit meiner Mentorin erarbeitet, wie ich am besten fragen kann. Wie ich Interesse zeige und mein Anliegen möglichst offen formuliere. Als es dann doch nicht sofort weiterging, war ich unsicher, ob ich bei meinem Chef noch einmal nachhaken soll.Da war es gut, die Position einer Chefin zu hören, die sagt: Ja, wenn Mitarbeiter nachfragen, dann signalisieren sie Interesse, wenn sie Vorschläge machen, zeigen sie, dass sie gerne mitdenken.

Das hat geklappt?
Ja, und ich war geradezu überrascht, dass es wirklich funktionierte. Am Anfang hatte ich immer gedacht, Karriere muss von selbst gehen, sonst bin ich einfach nicht gut genug. Ich hatte gedacht, Vorgesetzte müssen von selbst darauf kommen, dass ich mehr kann. Was auch eine gute Erfahrung war: Man muss nicht angeben, um weiterzukommen. Auch das war so ein Bild, das ich vom Aufsteigen hatte.

Was ist die Alternative zum Angeben?
Immer wieder Anlässe zu suchen, wo ich sachlich berichten und Erfolge zeigen kann. Dafür muss ich mich nicht verbiegen.

Welche Rolle hatte Ihre Mentorin für Sie?
Verschiedene Rollen. Sie ist jemand, den man einfach um Rat fragen kann. Sie ist eine, die mich alle vier Wochen daran erinnerte, mich mit meinem Thema zu beschäftigen. Es war gut zu wissen, dass wir vertraute Gespräche führen, von denen niemand etwas erfährt. Die Mentorin guckt von außen, sie gehört nicht zu meinem beruflichen und auch nicht zu meinem privaten Leben. Sie ist eine neutrale Beobachterin und kann neutrale Ratschläge geben. Sie beurteilt mich nicht.