„Es gibt nicht nur Pionierinnen und Heldinnen“

Angela Josephs ist Pressesprecherin und Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Phoenix Contact GmbH & Co. KG in Blomberg. 2010 war sie erstmals als Mentorin im KIM-Projekt dabei. Ihre Mission: Zutrauen zu den eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen zu haben und Selbstmarketing zu betreiben. Nur so kommen Frauen weiter. Aber: Keine muss Karriere um jeden Preis machen.

Frau Josephs, warum engagieren Sie sich als Mentorin?
Ich weiß aus meiner eigenen Biografie, wie mühselig es ist, sich allein auf den Weg zu machen. Ich hatte keinen Counterpart, der Reflexion und Ermutigung bieten konnte. Als ich gefragt wurde, bei KIM dabei zu sein, war ich total begeistert und regelrecht stolz.

Wofür hätten Sie gern Unterstützung gehabt?
Ich bin meinen Weg ohne eine direkte Karriereplanung gegangen, ich hätte strategischer und geplanter vorgehen können, habe mir aber Vieles einfach nicht zugetraut. Dazu möchte ich Frauen ermutigen: mehr Zutrauen zu den eigenen Fähigkeiten zu haben und an offenen Türen nicht vorbeizugehen.

Wie sind Sie dennoch in Ihre jetzige Position gekommen?
Mein Ziel war es schon früh, in die Industrie zu gehen und dort etwas zu erreichen. Das war aber ein diffuses Ziel und nicht konkret geplant. Als Geisteswissenschaftlerin hatte ich keine genaue Vorstellung, wie ich das erreichen könnte. Ich bin dann in einer Zeit zu Phoenix Contact gekommen, als es hier noch keine Struktur für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gab. Ich habe mir meinen Aufgabenbereich, die damit verbundenen Kompetenzen und auch das entsprechende Gehalt schrittweise erarbeitet.

Warum gehen Frauen an offenen Türen vorbei?
Frauen haben oft eine enorm hohe Leistungsbereitschaft, sie arbeiten sehr sachorientiert, vergessen darüber aber das Selbstmarketing. Das will ich den jungen Frauen zurufen: Ich müsst euch auch verkaufen können!

Haben Sie das auch Ihrer Mentee zugerufen?
Meine Mentee ist Informatikerin und ihr war schon der Begriff Selbstmarketing absolut fremd. Sie war so mit der Sache verhaftet, dass sie nicht sehen konnte, wo sie ihre Stärken gezielt zeigen kann. Frauen müssen sich klar machen, dass das nicht anstößig ist. Es geht darum, Leistung zu erbringen und über die Erfolge dann auch zu reden.

Wann?
In adäquaten Situationen, z.B. im Jahresgespräch. Dafür war es aber zunächst wichtig, dass sie selbst analysiert, wo ihre Erfolge sind, welche Ergebnisse sie präsentieren kann. In einer technischen Branche ist es darüber hinaus gerade für die männlichen Vorgesetzten wichtig, dass sie Zahlen, Daten und Fakten präsentiert bekommen. Deren Frage lautet nämlich: Ist der Erfolg nutzbar?

Wie haben Sie im Mentoring miteinander gearbeitet?
Meine Mentee hatte den Wunsch, eine Perspektive zu haben. Wir haben erarbeitet, wie sie das bei ihrem Vorgesetzten ansprechen kann. Wir haben ihre Stärken und Schwächen analysiert und dann ganz konkret nach Anlässen und Situationen geschaut, wo sie signalisieren kann, dass sie mehr Verantwortung übernehmen will. Dazu haben wir z.B. auch ganz konkret an der Gesprächsführung gearbeitet. Vor jedem Treffen habe ich von ihr eine Agenda mit Punkten bekommen, die sie besprechen will, und ich habe meine Mentee immer gebeten, ein Protokoll zu verfassen, damit ich weiß, ob wir uns richtig verstanden haben.

Wie sehen Sie Ihre Rolle als Mentorin?
Eine Mentorin ist wie ein Trainer am Spielfeldrand. Der beobachtet Spielzüge und gibt auch mal klare Anweisungen. Aber spielen müssen die Spieler selbst. Mentoring ist eine Partnerschaft auf Zeit. Eine Mentorin darf nicht so eine Übermutter werden. Das eine Jahr ist schnell rum, das ist wie ein Crash-Kurs, mit dem sie dann allein weitergehen kann.

Aber es geht nicht immer direkt nach oben.
Natürlich nicht, es gibt auch Niederlagen. Und gerade dann ist es wichtig, zu klären: Was will ich eigentlich? In welcher Konstellation will ich arbeiten? Wie will ich leben? Eine Mentee, die Familie und Beruf vereinbaren will, muss wissen, dass das ein möglicher, aber auch anstrengender Weg ist. Wenn sie entscheidet, dass sie nicht um jeden Preis Karriere machen will, dann ist das auch in Ordnung. Mein Eindruck ist, dass Frauen eine andere Stärke haben zu entscheiden, was sie wirklich wollen. Männer sind in ihrer Machtorientierung viel eher in Gefahr, ihre Grenzen zu überschreiten und Wege zu gehen, die nicht mehr gesund sind.

Wie wichtig waren Ihre eigenen Karriereerfahrungen im Mentoring?
Sehr wichtig. Nur durch Authentizität erreicht man die Mentee auf der metakommunikativen Ebene. Es war mir wichtig, von meinen eigenen Erfahrungen zu berichten. Eine Mentorin ist ein Vorbild und sie kann auch zeigen: Es gibt nicht nur Pionierinnen und Heldinnen.